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Wie unpassend, diesen Planeten Erde zu nennen,
wenn er doch ganz klar ein Ozean ist. Arthur C. Clarke

Die Deutsche Maritime Akademie ist eine Stiftung des Deutschen Marinebundes e.V. (DMB) mit Sitz in Laboe.


Als Bildungswerk des DMB, des größten maritimen Interessenverbands Deutschlands, soll die Akademie das Wissen um die Bedeutung der See, der Schifffahrt, der maritimen Wirtschaft und der Meerespolitik für das Wohl der Bundesrepublik Deutschland – auch in küstenfernen Regionen – fördern. Dies erreicht die Akademie unter anderem durch

Maritime Expertengespräche in Laboe und im Binnenland, wissenschaftliche Symposien zu Fragen der Meerespolitik und der maritimen Wirtschaftspolitik, Seminare zu Themen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, Studienreisen und internationale Begegnungen maritim Interessierter.

Ziele der Deutschen Maritimen Akademie

Mit vielfältigen Bildungsangeboten trägt die DMA dazu bei

  • das maritime Bewusstsein in Deutschland zu intensivieren
  • das Wissen um die Rolle und die Bedeutung der maritimen Wirtschaft in der Bundesrepublik
  • die sicherheitspolitische Bedeutung freier Seewege
  • die Rolle der Deutschen Marine für die sicherheitspolitischen Interessen der Bundesrepublik
  • die Bedeutung der internationalen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit zu fördern
  • das Verständnis für maritime Traditionen und Kultur
  • das Verständnis für eine zeitgemäße maritime und militärische Gedenkkultur in Deutschland
  • durch interne Weiterbildung für den Deutschen Marinebund sowie angeschlossene Verbände und Vereine das Verständnis und die Fähigkeiten für die Vermittlung maritimer Themen zu schärfen

PRESSEMITTEILUNGEN UND BERICHTE

Parlamentarisches Frühstück in Berlin mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr am 09. Oktober 2025

Gruppenbild
General Breuer im Gespräch mit Präsident Deutscher Marinebund, Heiz Maurus

Politische und gesellschaftlich Unterstützung der Bundeswehr ist enorm gewachsen

Die Networking-Veranstaltung „Parlamentarische Frühstück der Deutschen Marine Akademie (DMA)“ hat in der Bundeshauptstadt einen hohen Stellenwert bei Politik, Verwaltung, Wirtschaft und anderen zivilgesellschaftlichen Einrichtungen. Denn zu Wort kommen auf diesem Event Fachleute aus Politik und Wirtschaft, die im Wortsinne etwas zu sagen haben. Das galt auch für die jüngste Veranstaltung, die am 9. Oktober und damit unmittelbar vor dem Abgeordnetentag des DMB, für die als Gastredner der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer (Jahrgang 1964), gewonnen werden konnte. Eine Tatsache, die DMB-Präsident Heinz Maurus, in seiner kurzen Einführung in den Vortrag, besonders hervorhob und damit wertschätzte. Knapp 100 hochkarätige Teilnehmer aus dem Kreis der Kernzielgruppe  konnte Maurus im Hopfingerbräu im Palais, das sich in Sicht- und Rufweite zum Deutschen Bundestag und zum Brandenburger Tor befindet, begrüßen. Das Thema des Morgens lautete knapp und prägnant: „Zur aktuellen Sicherheitslage.“

Als Schirmherr der Veranstaltung freute sich DMB-Präsident Maurus auch über die Anwesenheit des Bremer CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Röwekamp, der als Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag, ein gefragter Mann ist und der an diesem Morgen als Schirmherr in Erscheinung trat. Röwekamp stellte in seinem kurzen Begrüßungsstatement klar: „Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen.“

Das sah auch der SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Haushaltsausschusses, Andreas Schwarz, so, der auf der Veranstaltung den formellen Schlusspunkt setzte. Er wies noch einmal auf die „Riesenverantwortung“ hin, die Deutschland innerhalb der Nato habe und damit auch tragen müsse, was nur über starke nationale Streitkräfte zu gewährleisten sei.

General Carsten Breuer, der seit dem 17.März 2023 das Amt als nunmehr 17.Inspekteur der Bundeswehr bekleidet, und den Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gerne als „meinen wichtigsten Mann“ beschreibt, wenn etwa darum geht, die Wehrfähigkeit Deutschlands nachhaltig zu stärken, skizzierte in dem gut 40-minütigen, hochinteressanten und faktenreichen Vortrag das große, globale sicherheitspolitische Lagebild.

Für all jene Zuhörer an diesem Berliner Frühstücks-Morgen, die die vor wenigen Wochen in der ARD unter dem Titel „Soldat Nummer eins“ ausgestrahlte Dokumentation über die hochverantwortungsvolle Arbeit von General Breuer gesehen hatten, war dieser Vortrag damit so etwas wie der Ergänzungs-O-Ton zu dieser weiterhin bemerkenswerten Dokumentation.

 

Putins Ziele gehen über die Ukraine hinaus

Breuer, der seine Militärkarriere vor Jahrzehnten als „bodengebundener Gepard-Mann“ begann – gemeint ist der jetzt in der Ukraine hochbewährte Flakpanzer „Gepard“, den die Bundeswehr einst in großen Stückzahlen hatte – , widmete sich ausführlich dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Jenes sicherheitspolitische  Elementarereignis, das vor allem Europa und die Nato in Atem hält und immer neue Kraftanstrengungen abverlangt. Der Überfall auf die Ukraine am 24.Februar 2022 führte in Deutschland bekanntlich dazu, dass der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), die „Zeitenwende“ ausgerufen hatte.

Diesen inzwischen auch im internationalen Sprachgebrauch genutzten Begriff mit konkretem Inhalt zu führen, dass ist und bleibt eine zentrale Aufgabe für die Gegenwart, aber auch für die Zukunft. Fakt ist für Breuer, dass sich Deutschland, die EU und die Nato darauf mit Nachdruck vorbereiten müssen, dass Russland Ziele über die Ukraine hinaus verfolgt. Der General stellte fest: „Ich bin überzeugt davon, dass seine (Putins, d. Red.) Ziele über die Ukraine hinausgehen. Er hat diesen Krieg nicht begonnen für ein paar Quadratkilometer mehr in seinem ohnehin riesigen Reich. Er will eine neue Ordnung.“

Die zahlreichen Weltkonflikte ganzheitlich betrachten

Und auch das gehört zum großen Lagebild: Nicht nur Europa steht unter Druck, weltweit existieren inzwischen zahlreiche „Konfliktzonen“, weil entsprechende Expansionsambitionen auch in anderen Nationen bestehen. Es sei daher ein Gebot der Stunde, angesichts der zahlreichen Konflikt- und Krisenzonen auf diesem Globus in Deutschland und auch in Europa immer wieder „die Querverbindungen auf die andere Seite der Welt rüberzuziehen“. Heißt mit anderen Worten: Sicherheitspolitik muss  großräumig betrachtet und bewertet werden.

Ausführlich widmete sich General Breuer der Ertüchtigung der Bundeswehr hin zu einem personellen und ausrüstungstechnischen Gesamtzustand, den Verteidigungsminister Boris Pistorius in den zurückliegenden Monaten wiederholt als „kriegstüchtig“ beschrieben hat. Was unter anderem bedeutet, dass die deutschen Streitkräfte als integraler Bestandteil des westlichen Verteidigungsbündnisses auf einen möglichen, von Russland ausgehenden bewaffneten Konflikt in Europa vorbereitet sein müssen. Als wichtiges Datum wird in dem Zusammenhang immer wieder das Jahr 2029 genannt.

Reservisten spielen künftig eine größere Rolle

Auf dem Weg dahin wird die Bundesrepublik, aber auch Europa, bereits zahlreichen Tests ausgesetzt, die inzwischen als „hybride Angriffe“ umschrieben werden. Immer wiederkehrende Stichworte lauten in dem Kontext Drohneneinsatz über kritischer Infrastruktur, zerstörte Datenkabel auf dem Grund der Ostsee oder auch der Einsatz von „Wegwerfagenten“, die etwa gezielte Ausspähaufträge haben. Das alles sei ein „gezieltes Austesten“.

Zu den großen Herausforderungen in Deutschland gehört für den GI vor allem, die weitere technische und personelle Stärkung der Streitkräfte. Er selbst spricht gerne von „Aufwuchs“ derselben. Das Ziel seien rund 260 000 aktive Soldaten und Soldatinnen, ergänzt um eine Reserve von weiteren  200 000 Männern und Frauen der Reserve. Die Reservisten sollen in Zukunft ein „integraler Bestandteil“ der Truppe als Ganzes sein, eine „Reserve, die flexibler einsetzbar“ und nicht „nur stumpfer Personalersatz“ sein solle. Aus- und Weiterbildung der Reservekräfte spielten künftig eine große Rolle.

Die Planungen sehen bislang vor, das ambitionierte Personalziel bis 2039 zu erreichen. Ginge es nur nach Breuer, sollte das Ziel deutlich früher erfüllt sein. Doch gerade das Personalthema stellt eine große Aufgabe dar, die übrigens alle Nato-Partner zu lösen haben, so der GI. Deutschland strebe jedenfalls an, in wenigen Jahren Europas stärkste Armee mit konventionellen Waffensystemen zu sein. Eine Ambition, die er trotz der vielen Herausforderungen für erreichbar hält. Zugleich aber auch eine Verpflichtung gegenüber der Nato.

Truppe und Industrie haben jetzt Planungssicherheit

Intensiv widmete sich Breuer auch dem komplexen Thema der Beschaffung von Waffensystemen und weiterer Ausrüstung für die verschiedenen Teilstreitkräfte. Dass deren Beschaffung künftig nicht mehr nur an ein enges Haushaltskorsett gebunden sei, sondern dass die Bundesregierung die sogenannte „Bereichsausnahme“ auf den Weg gebracht habe, die einen kontinuierlichen  Mittelzufluss sicherstellt, bewertete Breuer als herausragenden „Gamechanger, der sowohl der Truppe als auch der Industrie die nötige Planungssicherheit bringt“.

 

Ein herausragendes Ausrüstungsbestandteil sind für den GI dabei zweifelsohne „Drohnen“. Zwischen den Zeilen war in dem Vortrag des Generals dabei herauszuhören, dass sich Deutschland in den zurückliegenden Jahren viel zu abstrakt mit dem Thema „Drohneneinsatz in Diskussionen beschäftigt habe. Was diese Technik inzwischen bedeutet, hat auch der Krieg in der Ukraine klar aufgezeigt. Immerhin: Deutschland holt jetzt im Eiltempo auf, was sich beispielsweise an der rasanten Entwicklung einer innovativen „Netzwerfer-Drohne“ zeige, die sich in der Einführung befindet, so der General.

Starke Signale für den Frieden: Gedenken zum Volkstrauertag und Ausstellungseröffnung in Laboe am 15. November 2025

Laboe, 15. November 2025 – Am gestrigen Freitag fand am Marine-Ehrenmal in Laboe die traditionelle Gedenkzeremonie anlässlich des Volkstrauertages statt, zu der der Inspekteur der Deutschen Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, gemeinsam mit dem Präsidenten des Deutschen Marinebunds (DMB), Staatssekretär a.D. Heinz Maurus, und dem Vorsitzenden der Marine-Offizier-Vereinigung e.V. (MOV), Konteradmiral a.D. Thorsten Kähler, eingeladen hatte.
Die feierliche Zeremonie zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wurde von zahlreichen hochrangigen Gästen begleitet, darunter der Landtagsvizepräsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Herr Lehnert Peter und für die Landesregierung der Staatssekretär des Ministeriums für Justiz und Gesundheit, Dr. Olaf Tauras.
Unmittelbar im Anschluss an die Gedenkveranstaltung wurde die neue Sonderausstellung „Frieden durch Verstehen“ des Marine-Ehrenmals feierlich eröffnet. Die bewusste Platzierung der Eröffnung am Volkstrauertag unterstrich die thematische Relevanz und Dringlichkeit.
Der Präsident des Deutschen Marinebunds, Heinz Maurus, betonte in seiner Ansprache die zentrale Botschaft der Doppelveranstaltung:
„Der Volkstrauertag mahnt uns nicht nur zum Gedenken an die Opfer, sondern vor allem zur aktiven Arbeit für den Frieden. Die Eröffnung der Ausstellung ‚Frieden durch Verstehen‘ ist unser deutliches Signal dafür. Denn wer die Motive des Gegenübers versteht, hat den Schlüssel in der Hand, um die Spirale des Konflikts zu durchbrechen und eine neue, angemessene Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit zu finden.“
Der Inspekteur der Deutschen Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, ging auf den Wandel der Gedenkkultur ein und hob die Rolle des Ehrenmals heraus: „Laboe ist ein Ort, der uns daran erinnert, das Frieden nicht selbstverständlich ist.“ Dabei erinnerte er an die mehr als 3300 Soldaten/-innen und zivile Mitarbeiter/-innen der Bundeswehr, die im Dienst ums Leben gekommen sind, sowie an die 115 Toten in den vergangenen Auslandseinsätzen verstorben oder gefallen sind.
Die von dem Historiker des DMB, Dr. Jann M. Witt, und Christian Rösler konzipierte Ausstellung beleuchtet den zentralen Ansatz, dass der Schlüssel zu angemessenem Handeln darin liegt, die Perspektive und die Motive des Gegenübers zu erfassen. Es gehe nicht darum zuzustimmen, sondern das Wissen für eine fundierte und adäquate Antwort auf Konflikte zu gewinnen.
Die Ausstellung „Frieden durch Verstehen“ steht ab sofort für Besucher offen und lädt dazu ein, diesen Ansatz als aktiven Beitrag zur Friedensarbeit zu reflektieren.

Parlamentarisches Frühstück in Berlin am 30. November 2023

Maritime Sicherheit neu denken

Trotz des Wintereinbruchs in Berlin mit Eis, Schnee und glatten Straßen war das Parlamentarische Frühstück im Hopfingerbräu am Brandenburger Tor wieder sehr gut besucht. Kein Wunder, die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister der Verteidigung Siemtje Möller sprach über das Thema „Maritime Sicherheit neu denken“.

Aber der Reihe nach: Zunächst begrüßte der Stv. Vorsitzende der Deutschen Maritimen Akademie, Ministerialdirigent a.D. Karl-Dietrich Haase, auch im Namen des Vorsitzenden Staatssekretär a.D. Heinz Maurus die Gäste. Ein herzliches Willkommen ging an Siemtje Möller, den Schirmherren der Veranstaltung, MdB Ingo Gädechens, die in großer Zahl anwesenden Bundestagsabgeordneten, die Vertreter aus den Landtagen und befreundeter Verbände, Offiziere der Bundeswehr und aus den Militärattachéstäben.

„In den letzten zehn Jahren konnten wir viele hochrangige und interessante Gastredner in Berlin begrüßen, darunter die Botschafter der USA, Chinas, Großbritanniens, Finnlands und Schwedens, Bundesminister, Wehrbeauftragte, Parlamentarische Staatssekretäre, Generale und Admirale, um nur einige zu nennen“, führte Haase weiter aus. Ein herzliches Dankeschön ging an die zahlreichen Sponsoren, die es möglich machten, das weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannte Parlamentarische Frühstück für die DMA kostenneutral durchzuführen. Ein herzliches Dankeschön für die Unterstützung ging diesmal an Markus Krautmann und Alexander van den Busch von Rheinmetall.

Anschließend sprach Ingo Gädechens und riss kurz die Geschichte des Parlamentarischen Frühstücks an und dankte Karl-Dietrich Haase für seinen unermüdlichen Einsatz in den vergangenen Jahren, bevor er das Wort an die Parlamentarische Staatssekretärin übergab.

Nach einigen einführenden Worten leitete Siemtje Möller ihren Vortrag mit einem Blick auf die gegenwärtigen unruhigen Zeiten ein: „Die regelbasierte internationale Ordnung steht unter Druck – so deutlich wie schon lange nicht mehr. Das bedeutet, wir müssen kriegstüchtig sein, wenn wir glaubhaft und gemeinsam im Bündnis abschrecken wollen. Wir müssen einem Aggressor klar vor Augen führen, dass wir uns verteidigen können und wollen. Und das in allen Dimensionen.“

Mit Blick auf den maritimen Aspekt der Sicherheitspolitik betonte sie: „Bei allen neuen Herausforderungen und Veränderungen unserer Sicherheitsarchitektur spielen der maritime Raum und die maritime Sicherheit eine zentrale Rolle. Besonders deutlich zeigt sich dies beim andauernden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Dieser dezimiert die Fähigkeiten russischer Landstreitkräfte und führte für Russland zu einem Bedeutungszuwachs seiner maritimen Verbände, insbesondere der Nordflotte. Die Auswirkungen dieses Krieges wurden auch unmittelbar sichtbar mit den Angriffen auf die Nord Stream-Pipelines, der Gefährdung wichtiger Seewege im Schwarzen Meer durch treibende Seeminen oder auch die Blockade ukrainischer Getreidehäfen. Gleichzeitig bleiben der Nordatlantik und die Ostsee für Russland strategische Seegebiete für den Zugang zu globalen Handelswegen, den Abbau und Transport fossiler Rohstoffe sowie zur Versorgung seiner militärischen Verbände.“

Der Erhalt der regelbasierten internationalen Ordnung weltweit sei zwingend erforderlich, deshalb brauche es zielgerichtetes deutsches Handeln. „In den Verteidigungspolitischen Richtlinien haben wir daher betont, dass für unsere Verteidigungspolitik das Leisten konkreter Beiträge eine wesentliche strategische Priorität ist neben der Stärkung unserer Verteidigungsfähigkeit und der Stabilität in der europäischen Nachbarschaft. Die Zunahme an komplexen Bedrohungen im maritimen Raum manifestiere sich gerade an den Schnittstellen zwischen innerer und äußerer Sicherheit. Mit den Verteidigungspolitischen Richtlinien haben auch wir als Bundeswehr uns dazu bekannt, unseren Beitrag zur Verbesserung der gesamtstaatlichen Resilienz und zum Schutz verteidigungswichtiger sowie Kritischer Infrastruktur auch auf See zu leisten. Bedingung erfolgreicher Gesamtverteidigung ist die Verzahnung aller relevanten Akteure bereits im Frieden: Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Dabei ist das ressortübergreifende Koordinationserfordernis hoch. Dazu werden derzeit auf Arbeitsebene zwischen den Ressorts verschiedene Optionen erarbeitet, wie eine solche effizientere Strukturierung im Bereich Maritime Sicherheit aussehen kann. U.a. soll es zur besseren nationalen Koordinierung und als direkten Anlaufpunkt für die multinationale Initiative zukünftig einen nationalen (strategischen) Ansprechpartner geben. Auf operativer Ebene identifizieren wir gerade den bestmöglichen Anlaufpunkt zur ständigen Lagebildführung und für den ressortübergreifenden sowie multinationalen Informationsaustausch.“

Im nächsten Schritt, so die Parlamentarische Staatssekretärin am Ende ihrer Rede, gelte es über die Bundesregierung hinaus auch mit NATO, EU, Abgeordneten, Bundesländern und Verbänden zu diskutieren, wie verschiedene Ebenen und Akteure effektiv miteinander verzahnt werden können. Denn, es läge im gemeinsamen Interesse, dass der eingeschlagene Kurs gehalten wird.

Der DMB-Präsident bedankte sich bei Siemtje Möller, ging kurz nochmals auf die Schwerpunkte des Vortrages ein, sprach das Zielbild der Marine 2035+ an und wies angesichts der aktuellen Haushaltsdebatte auf die notwendige Sicherstellung der Finanzierung hin. Des Weiteren verwies Maurus auf die Notwendigkeit eines „Seesicherheitsgesetzes“ zur Regelung der Kompetenzen zum Schutz Kritischer maritimer Infrastruktur.

Das Frühstück klang aus mit einer besonderen Ehrung für Karl-Dietrich Haase. Für sein großes Engagement als Vizepräsident des Deutschen Marinebundes in den Jahren 2015 bis 2023 wurde ihm unter riesigem Beifall eine Dankesurkunde und die Verdienstnadel in Gold mit Eichenblatt, eine der höchsten Auszeichnungen des DMB verliehen.

 

Veröffentlicht in Leinen los! 01/2024

Parlamentarisches Frühstück in Berlin am 30. März 2023

Schwedens zukünftige Rolle in der NATO

Die Deutsche Maritime Akademie (DMA), eine hundertprozentige Tochter des Deutschen Marinebundes, hatte am 30. März 2023 zum Frühstück ins Hopfingerbräu Berlin geladen. Der Stiftungsvorstand der DMA, vertreten durch den Vorsitzenden, Staatssekretär a.D. Heinz Maurus, und dessen Stellvertreter, Ministerialdirigent a.D. Karl-Dietrich Haase, hieß den Botschafter Schwedens, S.E. Per Thöresson, herzlich willkommen. Dessen brandaktuelles Thema „Schwedens zukünftige Rolle in der NATO“ sorgte dafür, dass der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Während nebenan vor dem Brandenburger Tor die Absperrungen des Vortages vom Staatsbesuch des britischen Königs Charles III. weggeräumt wurden, fand sich die maritime Gemeinschaft aus Parlamentariern, Rüstung, Bundeswehr und maritimen Experten zum gemeinsamen Arbeitsfrühstück ein. Begrüßt wurden zahlreiche Abgeordnete des Deutschen Bundestages, u.a. Markus Grübel und Ingo Gädechens, die ehemaligen Wehrbeauftragten Reinhold Robbe und Hans-Peter Bartels, der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Frank Lenski, sowie der Botschafter Mexikos, S.E. Francisco José Quiroga Fernandes.

Als Schirmherr fungierte Dr. Kristian Klinck (MdB/SPD) aus dem Wahlkreis Plön-Neumünster, Mitglied im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages, der nach der Einführung durch Karl-Dietrich Haase ein Grußwort an das Plenum richtete. Klinck betonte sehr deutlich, dass der Beitritt Schwedens und Finnlands eine Stärkung des nordatlantischen Bündnisses sei. Er appellierte an Ungarn und die Türkei, den Vertrag, der bereits von 28 Mitgliedstaaten ratifiziert worden sei, schnellstmöglich abzusegnen (Anmerkung der Redaktion: Beide Länder haben den Beitritt Finnlands inzwischen ratifiziert. Finnland wurde am 4. April 2023 NATO-Miglied.). Der Vortrag des Botschafters handelte wie erwartet von der aktuellen sicherheitspolitischen Lage in Europa, dem Beitritt Schwedens zur NATO und der Stimmung dort. Doch zunächst warf er einen kurzen Blick zurück. Ähnlich wie bei uns in Deutschland wurde in Schweden nach dem Ende der Sowjetunion vor allem bei der Verteidigung gespart. Dies untermauerte der Botschafter mit beeindruckenden Zahlen. Auch die Wehrpflicht wurde ausgesetzt.

Unter dem Eindruck des völkerrechtswidrigen russischen Einmarschs in die Ukraine haben nun Schweden und Finnland nach langen Jahren der Neutralität Mitte letzten Jahres offiziell den Antrag für eine NATO-Mitgliedschaft eingereicht. Alle 30 NATO-Mitgliedsländer haben diesen Antrag unterschrieben, sodass einer schnellen Aufnahme der Skandinavier nichts im Wege zu stehen schien. Hier machte Botschafter Thöresson deutlich, dass sowohl Schweden als auch Finnland seit Jahren schon eng mit der NATO zusammenarbeiteten. Es wäre deshalb besser, wenn man davon spräche, dass die beiden skandinavischen Länder bündnisfrei waren.

Wohl mehr aus innenpolitischen Gründen und der anstehenden Wahl als aus sachlichen Erwägungen blockiert die Türkei allerdings nach Zwischenfällen in Stockholm (Koranverbrennung) die Ratifizierung des Vertrages. Schweden, so der türkische Präsident Erdogan, unternehme zu wenig gegen terroristische Vereinigungen, nannte vor allem die kurdische Arbeiterpartei PKK eine „Terrororganisation“ und verlangte die Auslieferung von Verdächtigen. Per Thöresson räumte ein, dass Schweden hier schon seit Längerem einen Handlungsbedarf sah. Die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sei in Schweden kein Straftatbestand gewesen. Dagegen habe in Schweden Meinungsfreiheit nun mal einen äußerst hohen Stellenwert. Die Gesetze zur Terrorismusbekämpfung seien inzwischen verschärft worden, das jetzige Entgegenkommen gelistet in einem trilateralen Vertrag zwischen Finnland, Schweden und der Türkei sei deshalb keinesfalls als ein Einknicken zu verstehen, schloss Thöresson dieses Kapitel.

Das schwedische Parlament hat sich vor Kurzem mit deutlicher Mehrheit für einen Beitritt des Landes zur NATO ausgesprochen. 269 der 349 Abgeordneten stimmten mit Ja, 37 mit Nein. Von acht Parteien im Reichstag waren nur die Linken und die Grünen im Reichstag dagegen. Aber nicht nur die Volksvertreter votierten für den NATO-Beitritt. Thöresson berichtete über die große Zustimmung des schwedischen Volkes. „Bei Umfragen sprachen sich mehr als 70 % der Schweden für den Anschluss an das Bündnis, zum Aufwuchs der Streitkräfte und zur Steigerung der Rüstungsausgaben aus. Schweden“, so der Botschafter weiter, „wird die Anzahl des Personals in den Streitkräften mehr als verdoppeln und hat das 2 %-Ziel der NATO im Blick.“ In einer Vorausschau zeigte sich Thöresson vorsichtig optimistisch, dass nach Finnland auch Schweden wohl noch im Sommer dieses Jahres Teil des westlichen Bündnisses werden könne. Ziel sei es nun, nach Möglichkeit noch vor dem NATO-Gipfel im Juli im litauischen Vilnius Mitglied der nordatlantischen Allianz zu werden.

Thöresson betonte am Ende seiner Rede das wichtige und enge Verhältnis Schwedens zu Finnland und die Bedeutung der Zusammenarbeit mit der Deutschen Marine in der Ostsee. Hier sieht er Schweden und Deutschland zukünftig als wesentliche Sicherheitsgaranten.

Unterstützt wurde die Veranstaltung durch Saab Deutschland. Die kurze, aber interessante Veranstaltung endete mit einem humorvollen Schlusswort von MdB Ingo Gädechens, der noch einmal die engen Beziehungen Deutschlands zu Schweden unterstrich.


Veröffentlicht in Leinen los! 05/2023

Parlamentarisches Frühstück in Berlin am 10. November 2022

Finnland ist ein sturmerprobtes Land

Zum Auftakt des Parlamentarischen Frühstücks am 10. November 2022 in Berlin begrüßte der Vizepräsident des Deutschen Marinebundes und Stv. Vorsitzender der Deutschen Maritimen Akademie, Ministerialdirigent Karl-Dietrich Haase, zahlreiche Ehrengäste, darunter Abgeordnete aus dem Deutschen Bundestag, Vertreter der Bundesländer, den Inspekteur der Marine, Attachés sowie Vertreter der Wirtschaft, des öffentlichen Lebens und befreundeter Verbände. Nach einem herzlichen Dankeschön an Susanne Wiegand, Vorsitzende der Geschäftsführung Renk Group, dem Sponsor der Veranstaltung, führte Haase in das Thema des Tages „Finnlands Beitritt zur NATO – was bedeutet die Entscheidung Finnlands und Schwedens für die NATO im Ostseeraum?“.

Nach kurzen Grußworten von Ingo Gädechens, MdB, und Dr. Hans-Peter Bartels, ehemaliger Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, stand die finnische Botschafterin, I.E. Frau Anne Marjaana Sipiläinen, im Mittelpunkt des Parlamentarischen Frühstücks im Hopfingerbräu zu Berlin.

Sie führte zur außenpolitischen Situation des skandinavischen Landes aus, die wie woanders auch, geprägt war von der russischen Invasion in die Ukraine. Bemerkenswert schnell beschließt Helsinki bereits am 28. Februar Hilfen und Unterstützung für die Ukraine. Ohne Einzelheiten zu nennen, wies Botschafterin Sipiläinen darauf hin, dass im Oktober die neunte Unterstützungslieferung auf den Weg gebracht worden ist.

Der Entschluss zum NATO-Beitritt fällt in den Kontext des unprovozierten russischen Überfalls. Waren Ende Februar des vergangenen Jahres 53 % der Finnen für eine Mitgliedschaft in der Allianz, so waren es Ende Mai 76 %. Dies ist insofern zu betonen, so die Botschafterin, da traditionell die Hälfte der Bevölkerung pro-NATO war. Wobei Finnland seit 1994 NATO-Partnernation ist. Gleich nach dem Madrider NATO-Gipfel vom 29./30. Juni 2022 wurden die Beitrittsgespräche aufgenommen (4. Juli).

Die Botschafterin arbeitete weiter heraus, dass sich die finnische Außenpolitik mit dem NATO-Beitritt voraussichtlich ändern wird. Trotz der Aufgabe der Neutralität werden die gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu Russland weiter verfolgt. Wenn auch aktuell im Umfang reduziert, so möchte Helsinki zurück zum Status quo ante. Denn es gibt gemeinsame Interessensschnittmengen, zum Beispiel wirtschaftliche, beim Verkehr, bei der Bekämpfung von Kriminalität. Mit Finnlands NATO-Beitritt verdoppelt sich die Landgrenze der Allianz mit Russland (Anmerkung des Verfassers: die beiden Länder teilen sich eine 1340 km lange Grenze). Innerhalb der NATO wird Finnland sein Profil entwickeln. Aus den Einlassungen der Botschafterin war herauszuhören, dass die Landesverteidigung für Finnland eine herausragende Priorität behalten wird. Wenn es hart auf hart käme, dann könne sich Finnland angemessen verteidigen. 900 000 Reservisten sind ausgebildet und für einen Einsatz vorbereitet. 83 % der Bevölkerung stünden zur bewaffneten Verteidigung im Falle eines russischen Überfalls zur Verfügung.

Finnland, so beendete die Botschafterin ihren Vortrag, sei ein sturmerprobtes Land. Dabei gälte es, immer an der Widerstandsfähigkeit zu arbeiten und auf schwierige Entscheidungen vorbereitet zu sein.

Veröffentlicht in Leinen los! 01/2023